| Verschiedene Veröffentlichungen zum Thema "Strategische Patentanalyse"
u.a. in:
Wirtschaftswoche,
Harvard Manager,
ZfP
, HMD, Industriemagazin, Büchern, ..
Wettbewerbsvorteile durch Patentinformation
leicht verändert aus: Fendt, H., Systematische Patentanalyse, in: Engelhardt, Fendt,Ua, Fachwissen Patentinformation - Datenbaken strategisch genutzt, Essen, 1989
Gliederung
1. Früherkennung: Ein unternehmerisches Muß
2. Patentinformationen als Frühindikatoren technisch-wissenschaftlicher
Entwicklungen
3. Systematische Patentanalysen
-
3.1 Zur Methodik
3.2 Softwareanforderungen
4. Konkrete Anwendungsbeispiele
5. Fazit
1. Früherkennung: Ein unternehmerisches Muß
Der Wettbewerb von morgen wird ein Wettbewerb der Technologien sein. Diese
1983 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung skizzierte Zukunftsvision wurde
durch die Entwicklungen der letzten Jahre gleichermaßen bestätigt
wie aktualisiert. In vielen Branchen hat sich die wachsende Bedeutung der
Technik manifestiert und ist ins Bewußtsein von Managern und Politikern
gerückt. Auch in den kommenden Jahren wird die Wettbewerbsfähigkeit
der Bundesrepublik ganz wesentlich davon abhängen, inwieweit es gelingt,
bei zukunftsträchtigen Produkten technische und qualitative Vorteile
sowie überlegene Problemlösungen zu erzielen (BMFT). Unternehmen
geraten dabei in einen Ausleseprozeß, in dem vor allem die Verfügbarkeit
an Zeit den Handlungsspielraum spürbar einengt. Nicht nur die Bereitstellung
und der Einsatz fortschrittlichster Technik ist unabdingbare Erfolgsvoraussetzung,
sondern zunehmend auch die Schnelligkeit, mit der technische Neuerungen
aufgegriffen und in marktgerechte Produkte umgesetzt werden. Der Faktor
Zeit bekommt eine strategische Dimension und verlangt nach entsprechender
Berücksichtigung bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien. Die
damit verbundenen organisatorischen Anpassungen sind von einem deutschen
Manager plakativ als der Übergang vom High-tech-Management zum High-speed-Management
bezeichnet worden. Das Beispiel der von japanischen Unternehmen forcierten
Hetze in den Märkten der optischen Speichersysteme ist dafür
symptomatisch. Für die Vermarktung der Produkte bleibt oft zu wenig
Zeit, um die hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen wieder einspielen
zu können.
Der Wettbewerb um technische Spitzenpositionen bietet Nachzüglern
nur geringe Chancen und auch die in der Literatur überstrapazierte
Nischenpolitik erweist sich oft nur als Lückenbüßer für
verpaßte Gelegenheiten im Ringen um technologischen Führungsanspruch.
Unter diesen Wettbewerbsbedingungen sind bei Unternehmen Reaktionsfähigkeit
und in zunehmendem Maße auch die Fähigkeit und Bereitschaft
zur Übernahme einer aktiven Rolle bei der Produktentwicklung und -vermarktung
gefragt. Schnelles Reagieren und erfolgreiches Agieren aber setzen frühe
und qualitativ hochwertige Informationen über Veränderungen der
Wettbewerbsbedingungen sowie Klarheit und Einvernehmen bezüglich des
zweckorientierten Informationsbedarfs voraus. Der Informations- vorsprung
vor dem Wettbewerber ist mehr denn je der zentrale Schlüssel zum unternehmerischen
Erfolg. Mit geradezu seismographischer Empfindlichkeit und Aufmerksamkeit
sind dabei im turbulenten technischen Umfeld der angestammten Betätigungsfelder
die leisesten Bewegungen und Veränderungen rechtzeitig wahrzunehmen:
Keine leichte Aufgabe angesichts der Diskontinuitäten und technischen
Umbrüche, die Entwicklungslinien oft jäh abreißen lassen.
Hier können Früherkennungssysteme in der Verbindung mit Online-Datenbanken
Hilfe und Unterstützung anbieten. Solche Informationssysteme haben
die Aufgabe, unternehmensrelevante Umfeldentwicklungen bereits in einem
sehr frühen Stadium zu identifizieren, mögliche Konsequenzen
abzuschätzen und auf die sich ergebenden Handlungsbedarfe aufmerksam
zu machen. Gesucht werden dabei Antworten auf typische Fragestellungen
wie:
-
Nehmen die Entwicklungsaktivitäten innerhalb bestimmter Gebiete zu
oder ab ?
-
Welche Unternehmen führen den technischen Wandel herbei ?
-
Welche Unternehmen sind die Technologieführer ?
-
Welche Techniken werden in den nächsten Jahren anwendungsreif ?
-
Zeichnen sich völlig neue Lösungen für technische Probleme
ab?
-
Von welchen Personen gehen innovative Ideen aus ?
-
Womit beschäftigen sich Branchenneulinge ? Was veranlaßte sie
zum Einstieg ?
-
Welche FuE-Strategien verfolgen Kunden und Lieferanten ?
-
Dringen Wettbewerber in eigene Domänen vor; welche FuE-Strategien
werden sie dabei wählen ?
-
Wie produktiv arbeiten die FuE-Abteilungen der Wettbewerber ?
-
Welches sind die wichtigsten Absatzmärkte für technische Lösungen
?
-
Welche Betätigungsfelder bieten Entwicklungspotentiale ?
-
usw.
Praktische Erfahrungen belegen, daß technisch orientierte Früherkennungssysteme
nicht nur ihre Funktion als Radar zur sensitiven Aufnahme von Veränderungen
im Unternehmensumfeld hervorragend erfüllen, sondern zudem ein Klima
der Aufmerksamkeit, des flexiblen Engagements und der ständigen Innovationsbereitschaft
sowohl in der Unternehmensleitung als auch bei den Mitarbeitern fördern.
Die wohl entscheidenden Anregungen für eine institutionalisierte Frühaufklärung
gingen von Ansoff (1976) und seinem Konzept der schwachen Signale aus,
das vielfach aufgegriffen und in pragmatischen Ansätzen operationalisiert
wurde (hierzu u.a. Albach et al. 1979, Krampe und Reinhardt 1979, Müller
1981, Krystek 1985). Neben den Unternehmen sind zunehmend auch staatliche
Stellen um die Früherkennung von Gefahren und Gelegenheiten im Zusammenhang
mit der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie
bemüht. Dabei steht vor allem die technologische Leistungsfähigkeit
in forschungsintensiven Bereichen im Mittelpunkt des Interesses sowie die
Frage, wie das vorhandene technische und wissenschaftliche Potential effizienter
genutzt werden kann. Derartige Beurteilungen bedürfen weit vorausschauender
Analysen, in denen ein drohender Verlust von Vorteilspositionen zu einem
Zeitpunkt antizipiert wird, an dem es für gegensteuernde Maßnahmen
noch nicht zu spät ist. Moderne Früherkennungssysteme leisten
auch hier wertvolle Aufklärungsarbeit.
2. Patentinformationen als Frühindikatoren technisch-wissenschaftlicher
Entwicklungen
Eines der Beispiele von phänomenologischen Früherkennungsmethoden
liefert die Systematische Patentanalyse, die den reichen Fundus nationaler
und internationaler Patentschriften als Informationsquelle nutzt (vgl.
Campbell 1979, Ashton et al. 1983, Fendt 1983, 1988, Faust 1987, Schmoch
et al. 1988). Patente gewähren nicht nur das Ausschließlichkeitsrecht
zur Anwendung, Herstellung und Vermarktung einer Erfindung, sondern liefern
eine der umfangreichsten, aktuellsten und detailliertesten Quellen technischen
Know-hows: Nach Schätzung von Fachleuten sind dort 85 bis 90 Prozent
des gesamten veröffentlichten technischen Wissens gespeichert. Etwa
70 Prozent der in Patentschriften enthaltenen Informationen bleiben mindestens
fünf Jahre exklusiv auf dieses Medium beschränkt und werden nicht
an anderer Stelle publiziert. Bei der überwiegenden Anzahl der Anmeldungen
von Erfindungen zum Patent kann davon ausgegangen werden, daß
(1) ein konkretes Ergebnis aus Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
vorliegt, das den gestellten Anforderungen an Neuheit und Erfindungshöhe
entspricht,
(2) ein zeitlicher Vorlauf vor einer marktgerechten Konkretisierung
und marktlichen Konsequenzen gegeben ist,
(3) der Anmelder sich aufgrund des Neuigkeitswertes einen ökonomischen
Nutzen erhofft, der zumindest den mit der Schutzrechtserteilung verbundenen
Aufwand rechtfertigt.
Da Patentanmeldungen die herausragenden Ergebnisse und Meilensteine von
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten widerspiegeln, liegt es auf der Hand,
daß der technische Fortschritt dort in einem relativ frühen
Stadium erfaßt und nach außen dokumentiert wird. Zwischen der
Anmeldung der Erfindung zum Patent und der Markteinführung der entsprechenden
Produktrealisationen liegen bis zu sieben Jahre, wobei das Tempo der Umsetzung
von verschiedenen Faktoren, wie der Wichtigkeit der Erfindung, der Branche
und der Unternehmensgröße abhängt (vgl. Häußer
1984). Patentschriften enthalten erste Hinweise auf neue, den Stand der
Technik verändernde Entwicklungen, auf die Neuentstehung von Märkten
sowie auf Veränderungen im Wettbewerb. Die ersten Signale völlig
neuer Entwicklungen sind meist nur schwach, vage und unstrukturiert und
damit zur treffsicheren Vorhersage von technischen Veränderungen wenig
geeignet. In der Verstärkung liefern sie jedoch sichere und frühe
Indizien für den technischen Wandel und Veränderungen im Wettbewerbsumfeld.
So sind es Patentanmeldungen in deren zeitlicher Abfolge sich ein infolge
technischer Durchbrüche ausgelöster Inventionsboom manifestiert,
dessen Entwicklung nach dem bekannten Muster einer logistischen Funktion
verläuft. Ein solches Ausbreitungsmuster von Erfindungen findet im
Bereich der Supraleitung einen überzeugenden empirischen Befund (Bild
1).
Bild 1: Schematischer Inventionsboom : Supraleitung
Dort wurde eine Welle von Erfindungs- und Anmeldeaktivitäten im
Gefolge der Erfindung von "warmen" Supraleitern registriert. Die Flut von
Anmeldungen ist das äußere Zeichen einer weltweit ausgelösten
Erfindungshysterie wie auch von gezielt plazierten Sperrpatenten im Sog
einer bedeutenden Schlüsseltechnologie, wie sie eine technisch leicht
handhabbare und ökonomisch vertretbare Supraleitfähigkeit von
keramischen Materialien zweifellos darstellt. Noch befinden sich die "warmen"
Supraleiter in einer frühen Innovationsphase, in der - bei zunehmender
FuE-Produktivität - an weiteren Leistungsverbesserungen sowie an einer
Kommerzialisierung der Basiserfindung gearbeitet wird.
Zur wissenschaftlichen Fundierung der Ausbreitungs- und Diffusionscharakteristik
von neuen Ideen wird unter anderem auf die Arbeiten von Kuhn (1967), Jantsch
(1968), Dosi (1982) sowie Krampe und Reinhardt (1982) verwiesen.
Ein Beispiel für die dynamische Entwicklung von Innovationen liefern
auch die Erfindungen auf dem pharmazeutischen Gebiet der H2-Blocker (Bild
2). Die Anfang der siebziger Jahre gemachten Basisinventionen führten
innerhalb dieses Technologiefeldes bis 1978 zu einer Verdreifachung der
Patentaktivitäten. Die Flut an Publikationen in Fachzeitschriften
über medizinische Anwendungen von H2-Blockern setzte zeitlich weit
hinter den ersten Patentanmeldungen ein. Schließlich mündeten
die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten unter anderem in dem überaus
erfolgreichen pharmazeutischen Produkt "Tagamet" der US-amerikanischen
Firma Smith, Kline and French. Das Magenmittel, das Ende der siebziger
Jahre in den Markt eingeführt wurde, entwickelte sich mit jährlichen
Wachstumsraten von über zwanzig Prozent zum meistverkauften Medikament
der Welt und erzielte 1983 einen Jahresumsatz von 750 Millionen Dollar
(vgl. Mullen et al. 1984). Die Patentanmeldungen zu H2-Blocker zeigen das
für völlig neue Richtungen typische Phänomen eines Inventionsschwalls,
der nach Erreichen von Aktivitätsspitzen rasch wieder abklingt. Der
Verlauf der Melderaten korrespondiert dabei mit der physikalischen Ausschöpfung
des Entwicklungspotentials neuer Techniken.
Der prognostische Wert von Patenten und ihre Eignung als Früherkennungsindikatoren
wird von Faust (1987) auf breiter empirischer Basis bestätigt.

Bild 2: Innovationsdynamik im Technikfeld der H2-Blocker(Quelle:
Mullen et al. 1984)
Läßt sich der Stand von Technologien im Innovations- und
Marktzyklus anhand von Patentinformationen vergleichsweise präzise
abschätzen, so bleiben die auslösenden Momente von Basiserfindungen
meist völlig verborgen. Die bahnbrechenden Arbeiten von J. G. Bednorz
und K. A. Müller in den IBM-Labors im schweizer Rüschlikon, die
Supraleiter mit wesentlich höheren Sprungtemperaturen hervorbrachten,
kündigten sich in den Patentämtern nicht an und kamen auch für
die Fachwelt völlig überraschend. Selbst das unmittelbare Forschungsumfeld
des Erfinders Bednorz lieferte weder Hinweise auf das Forschungsthema der
keramischen Supraleiter noch gar auf einen bevorstehenden Durchbruch. Die
patentierten Erfindungen des Nobelpreisträgers sind mit den folgenden
Titeln registriert:
-
Feldemissions-Auger-Rasterelektronenmikroskop (1985),
-
Vakuumfördervorrichtung (1984),
-
Piezoelektrischer Rotationsschrittantrieb (1984),
-
Piezoelektrische X-Y Verstellung (1983),
-
Solarzellenmodul (1983),
-
Lichtwellenleiter und optische Speicher (1982).
Die Patentschriften liefern keinen Hinweis auf Forschungsaktivitäten
auf dem Gebiet der Supra-leitung an, wohl aber zum Thema der Rasterelektronenmikroskopie.
Dies überrascht insofern, als auf letzgenanntem Gebiet die Institutskollegen
von Bednorz, Gerd Binning und Heinrich Rohrer, ein Jahr zuvor mit dem Nobelpreis
für Physik ausgezeichnet wurden. Bei näherer Analyse der Aktivitäten
des IBM-Forschungsinstituts fällt ein dort praktizierter Forschungs-Liberalismus
ins Auge, der durch einen häufigen Wechsel der Mitarbeiter innerhalb
der Projektteams sowie eine thematische Vielfalt nach außen erkennbar
wird. Andererseits lassen jedoch die in Rüschlikon behandelten Forschungsthemen
keinen Zweifel an einer strengen Zielorientierung, mit der ein auf das
Erringen von Wettbewerbsvorteilen bedachtes Unternehmen seine Forschungsaktivitäten
in die Richtung marktgerechter Produkte und Verfahren lenkt. Vielleicht
ist ein solches Wechselspiel aus "Freiheit der Forschung" und konsequenter
Ausrichtung an marktlichen Vorteilspositionen das derzeit gültige
Erfolgsrezept für hervorragendes Erfindertum.
Das Beispiel aus den IBM-Forschungslabors zeigt, daß Patente zwar
keine technischen Durchbrüche voran- kündigen, doch bereits zu
einem relativ frühen Zeitpunkt Hinweise auf Veränderungen der
Aktivitäten innerhalb von technischen Gebieten liefern. Zudem enthalten
sie eine Reihe von Informationen über höchst relevante Zusammenhänge
und Strukturen. Sie sind damit eine unverzichtbare Grundlage zur Analyse
von technischen Veränderungen, geben sie doch den Blick hinter die
Kulissen von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten frei. Die in der praktischen
Anwendung von Systematischen Patentanalysen gesammelten Erfahrungen erlauben
die Abgrenzung möglicher Einsatzgebiete. Dabei zeichnen sich die nachfolgend
genannten Schwerpunkte ab:
>> FRÜHERKENNUNG
- Früherkennung von technologischen Veränderungen in abgegrenzten
Technologiefeldern
- Früherkennung des Entstehungsprozesses von neuen Technologien
und Entwicklungslinien
- Früherkennung von Veränderungen im Wettbewerbsumfeld, wie
-- Neueintritte und Austritte von Unternehmen innerhalb abgegrenzter
Technologiefelder,
-- Verlagerungen der FuE-Aktivitäten bei Wettbewerbern,
-- Verstärkung der FuE-Aktivitäten von Lieferanten und Kunden
im Zusammenhang mit der
Sicherung von Bezugsquellen und Absatzwegen.
>> WETTBEWERBSANALYSE
- Vergleich der Patentaktivitäten von Wettbewerbern und Ländern
im Rahmen der Beurteilung eigener
FuE-Anstrengungen sowie der Innovationskraft und der Stellung
im Wettbewerb
- Identifizieren von Technologieführern und deren FuE-Politik
in wichtigen Schlüssel- und
Zukunftstechnologien
- Identifizieren von offensiv und defensiv agierenden Unternehmen und
Ländern
>> F&E - PLANUNG
- Abschätzen des Alters und der FuE-Produktivität von Technologien
(Stand im Lebenszyklus) zur
Steuerung von FuE-Ressourcen
- Prüfen, Justieren und Definieren von Forschungsrichtungen unter
Berücksichtigung wichtiger Basispatente
und Wettbewerberstrategien
- Offenlegen der Vernetzungen von Erfindungen und Technologiefeldern
sowie deren Berührungspunkte zu
Nachbardisziplinen
- Identifizieren wichtiger Schlüsselpersonen und deren Forschungsschwerpunkte
- Fundieren von Make-or-Buy-Entscheidungen
- Ermitteln und Prüfen von Lizenzangeboten
>> DIVERSIFIKATION
- Bewerten von Akquisitionskandidaten nach deren Innovationskraft (Technology
Asset)
- Lokalisieren interessanter Technologiefelder im Rahmen der Suche
nach neuen Geschäften.
Patentinformationen liefern ein Spiegelbild der Leistungsfähigkeit
von Unternehmen, Regionen und Volkswirt- schaften. Alternativen von vergleichbarer
Informationsqualität bieten sich gegenwärtig nicht an. So fehlt
es den (jährlich publizierten) Analysen von FuE-Aufwendungen in Unternehmen
und Ländern ebenso an Genauigkeit, Differenzierung und Aktualität
wie den Statistiken über die Außenhandelsanteile bei "forschungsintensiven
Waren" . Selbst der von Fachabteilungen repräsentierte Sachverstand
liefert nicht immer gleichwertigen Ersatz (für Patentinformationen).
Zwar wird dort der Fortschritt der Technik aufmerksam beobachtet, doch
stößt die Wahrnehmung dieser Aufgabe zunehmend an Grenzen. Die
Unternehmenspraxis sieht sich dabei vor allem folgenden Problemen gegenüber:
>> Technische Entwicklungen werden in einem durch die Aufgabenstellung
der Fachabteilung vorgegebenen sachlichen Rahmen verfolgt. Angesichts der
starken Vernetzung von Technologien erweisen sich die so festgelegten Beobachtungsraster
oft als zu engmaschig. Eine Technologiebeobachtung und -bewertung im größeren
Zusammenhang scheitert jedoch häufig an den Abteilungsgrenzen.
>> Die Beurteilung neuer technischer Entwicklungen innerhalb von Fachabteilungen
ist nicht immer frei von subjektiven Sichtweisen. Eine Überbewertung
der eigenen Tätigkeiten führt zu einer Verzerrung der wahren
Sachverhalte. So dürfte der Grund für die lange Vernachlässigung
der digitalen Nachrichtentechnik in einem deutschen Elektronikkonzern unter
anderem darin zu suchen sein, daß das Wissen um die eigene Stärke
in der Analogtechnik den Blick für alternative Entwicklungen trübte.
>> Eine zunehmende Innovationsdynamik in verschiedenen Technologiefeldern
stellt an Experten extrem hohe Anforderungen bei der Wissensaktualisierung.
Da der Mehraufwand an Zeit nicht immer zu einer Entlastung von anderen
Aufgaben führt, sind oft Arbeitsüberlastung und Überforderung
die Folge.
Von Nutzen für Fachabteilungen könnte ein hierarchisch aufgebautes
und arbeitsteilig funktionierendes Meldesystem sein, das die wichtigsten
Veränderungen im technischen Umfeld eines Unternehmens sicher einfängt
und an die technische Kompetenz weiterleitet. Auf den nachfolgenden Stufen
sind die georteten Informationen zu verdichten und im Lichte der Expertenmeinung
auf ihre Unternehmensrelevanz hin zu prüfen. Dabei stehen nicht mögliche
Durchbrüche in abseits gelegenen Technologiefeldern im Mittelpunkt
des Interesses, sondern vielmehr der technische Fortschritt und die Veränderungen
in den angestammten Geschäften. Da Überraschungen in den eigenen
Betätigungsfeldern eine ernsthafte Gefahr für die Substanz und
den Lebensnerv von Unternehmen darstellen, gilt es in erster Linie diese
zu vermeiden. Der Blick auf völlig neue Entwicklungen und die sich
daraus ergebenden Marktchancen muß deshalb nicht verstellt sein.
3. Systematische Patentanalysen
3.1 Zur Methodik
Jährlich werden weltweit mehr als eine Million Patentdokumente dem
Informationspool der Patentämter neu hinzugefügt. Auch in Anbetracht
dieser gewaltigen Informationsfülle ist der Zugang zu dem reichen
Fundus technischer Erkenntnisse nicht versperrt. Die elektronische Aufbereitung
von Patentdokumenten und die Bereitstellung in Datenbanken bilden die Voraussetzung
für einen automatisierten Zugriff und eine systematische Einbeziehung
von Patentinformationen im Rahmen betrieblicher Entscheidungsprozesse.
Derzeit stehen weltweit etwa 60 Patentdatenbanken zur Verfügung, die
sich jedoch im Umfang der abgedeckten Sachgebiete, Zeiträume und der
angebotenen Informationsqualität zum Teil erheblich unterscheiden.
Die für die Bundesrepublik derzeit wichtigsten Patentdatenbanken sind
WPI/L, INPADOC, PATOS und PATDPA.
Das Internationale Patentdokumentations-Centrum in Wien bietet mit INPADOC
einen Dokumentenbestand von derzeit über 14 Millionen Schriften an,
der wöchentlich um rund 20.000 Neuzugänge ergänzt wird und
damit mehr als 95 Prozent der weltweit publizierten Patentliteratur umfaßt.
Die Datenbasis liefert die bibliographischen Angaben zu Patentschriften
aus mehr als 50 Ländern, des Europäischen Patentamtes sowie der
Weltorganisation für geistiges Eigentum (PCT-Anmeldungen). Die Daten
reichen zum Teil zurück bis ins Jahr 1961.
In der Datenbank WPI/WPIL von dem britischen Anbieter Derwent werden
rund 8 Millionen Veröffentlichungen zu allen Sachgebieten bereitgestellt
und wöchentlich um etwa 14.000 Einträge ergänzt. Die Datenbasis
liefert die bibliographischen Angaben zu Patentschriften der 32 wichtigsten
Länder einschließlich der Anmeldungen beim Europäischen
Patentamt sowie der PCT-Anmeldungen. Derwent faßt die Anmeldungen
zu sogenannten Patentfamilien zusammen und weist damit für jede Prioritätsanmeldung
(Basisanmeldung) aus, zu welchen Auslandsanmeldungen (Äquivalente)
sie geführt hat. Da äquivalente Anmeldungen an anderer Stelle
nicht mehr erfaßt werden, schließt die Datenbank Mehrfachnennungen
von Inventionen bei der Suche zuverlässig aus. WPI/L wird in der Industrie
viel verwendet, da der Hersteller zu jeder Anmeldung von technischen Fachleuten
eine eigene Kurzfassung (Abstract) in englischer Sprache erstellen läßt.
Diese "intelligenten" Abstracts tragen zur Objektivierung der Sachverhalte
bei und verbessern die Effizienz der Suche nach Stichworten. Trotz des
zusätzlichen Aufwands ist der Datenbestand etwa 20 Monate nach der
Prioritätsanmeldung komplett. Die solide Datenbasis von Derwent hat
sich in einer Reihe von Systematischen Patentanalysen bewährt und
kann für diese Zwecke empfohlen werden.
Auf deutsche und europäische Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen
sind die Datenbanken PATOS von Bertelsmann mit rund einer Million Dokumenten
und PATDPA, die Datenbank des Deutschen Patentamtes, mit derzeit rund 1.5
Millionen Dokumentationseinheiten spezialisiert. Aus Patentdatenbanken
sind Anmelde-, Publikations- und Verfahrensstandsdaten ab der ersten Hauptveröffentlichung
abrufbar. Vertiefende Informationen zum Inhalt und Aufbau von Patentdatenbanken
und deren Nutzungsmöglichkeiten werden bei Cuadra (1988) und Engelhardt
(1988) gegeben.
In Patentschriften dokumentierte Informationen sind überaus vielfältig
und einer systematischen Analyse nur über Datenbanken zugänglich.
Gegenstand der Analysen sind dabei weniger die technisch-inhaltlichen Aspekte
einzelner Patentschriften, als vielmehr die durch sie gezeichneten Strukturen
und Entwicklungen. Grundlegende technische Veränderungen und Entwicklungsmuster
können über die Auswertung einer großen Anzahl von Patentveröffentlichungen
zu abgegrenzten Technologiefeldern sichtbar gemacht werden. Die Ausprägungen
des Einzeldokuments treten dabei zugunsten von Trend- und Durchschnittsaussagen
in den Hintergrund.
Als komprimierte Zeitreihen und Indikatoren erfüllen diese Informationen
die Anforderungen an hierarchische Meldegrößen, die den Experten
von Globalaussagen bis hin zum technischen Detail führen. Auch die
regelmäßig veröffentlichten Patentstatistiken und Patentindikatoren
verfolgen dieses Ziel, ohne dem Adressaten allerdings eine individuelle
Überprüfung der offengelegten Phänomene oder eine detaillierte
Analyse der die Veränderungen auslösenden Faktoren zu ermöglichen.
Die Erläuterungen zu Patentstatistiken beschränken sich in der
Regel auf die wesentlichen Trends und strukturellen Veränderungen
und berücksichtigen weder die spezifische Situation von Unternehmen
noch deren Wettbewerbsumfeld. Doch gerade dahingehend erwartet der Experte
im Unternehmen weitere Antworten zum Abgleich seiner persönlichen
Erklärungshypothesen mit den in Patenten gespeicherten Fakten. Dieser
Frage-Antwort-Zyklus kann von Patentstatistiken nicht unterstützt
werden, sondern verlangt nach interaktiven Kommunikationsmöglichkeiten
auf der Grundlage der recherchierten Patentdaten. Beispiele dieser individuellen
Analysemöglichkeiten, die den spezifischen Gegebenheiten von Unternehmen
Rechnung tragen, werden im Abschnitt 4 diskutiert.
3.2 Softwareanforderungen
Für die systematische Analyse von Patentdaten bieten sich zwei Möglichkeiten
an, die sich in der Analyseart, zeitlichem Aufwand, Kosten und dem Analyseziel
unterscheiden:
(1) Die Analyseaufgabe wird in einer speziellen Abfragesprache online
definiert und auf dem Großrechner des Datenbankanbieters (Host) ausgeführt.
Die Ergebnisse werden am eigenen Arbeitsplatz in Form von Patentstatistiken
bereitgestellt.
(2) Die Analyse wird auf dem eigenen Rechner durchgeführt. Dies
setzt voraus, daß die zu analysierende Patentdatenbasis sowie die
Analysesoftware auf dem eigenen Rechner verfügbar sind.
Beiden Analysearten ist gemeinsam, daß sie auf den Ergebnissen von
Online-Patentrecherchen zu definierten Untersuchungsobjekten aufsetzen.
Dies können zum Beispiel Technologiefelder, Unternehmen, Erfinder
und Länder sein. Die thematische Abgrenzung der Sachgebiete erfolgt
jeweils über entsprechende Suchbegriffe und/ oder die Patentklassifikation,
wobei die Qualität der Recherchestrategie über die Aussagekraft
der nachfolgenden Analysen entscheidet. Unvollständige oder fehlerhafte
Recherchen liefern einen entsprechend fehlerhaften Patentdatenbestand,
dessen statistische Aufbereitung nur zu einer Fortpflanzung der ursprünglichen
Mängel führt. Die Wichtigkeit einer ausgeklügelten Patentrecherche
kann an dieser Stelle nicht genug hervorgehoben werden, da bereits auf
dieser ersten Stufe von Systematischen Patentanalysen oft eine der wichtigsten
Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Patentrecherchen nicht
oder nur unzureichend erfüllt ist: Nämlich die solide und fundierte
Vorbereitung von Suchstrategien durch einen im Umgang mit Patentdatenbanken
erfahrenen Rechercheur sowie einen Fachvertreter des zu recherchierenden
Gebietes. Zur Vertiefung des Themas der Informationsbeschaffung mit Online-Datenbanken
und zum Aufbau von Suchstrategien wird auf Claasen (1988) und Scherff (1988)
verwiesen.
Statistische Online-Auswertungen der recherchierten Patentdaten über
den Host-Rechner bieten nur wenige Datenbankanbieter an, wobei das französische
Unternehmen Télésystèmes Questel derzeit über
die wohl interessanteste Lösung verfügt. Neben der Möglichkeit,
Suchstrategien einfach und dennoch exakt zu definieren, zeichnet sich der
Statistikbefehl "MEMSORT" durch geringe Rechenzeiten aus. Mit wenigen Online-Befehlen
können beliebige Untersuchungsobjekte statistisch aufbereitet werden.
Das nachfolgende Beispiel zeigt dies für die Ermittlung der Rangfolge
der Anmelder im Technikfeld der Supraleitfähigkeit (vgl. Koch, Fendt
1988):
? super (w) conduct+
** SS 1: Results 433
Search statement 2
? ..mems 1-433 /pa rk 2; ..li mems
Total number of terms extracted: 473
Number of terms now sorted in MEMSORT: 163
# FREQ TERM
1 59 HITACHI K
2 47 TOSHIBA KK
3 23 NIPPON TELEG & TELEPH
4 20 AGENCY OF IND SCI TECH
5 20 UMITOMO ELEC IND KK
6 18 MITSUBISHI DENKI KK
7 17 NEC CORP
8 15 SIEMENS AG
9 10 SHOWA ELEC WIRE KK
10 11 MITSUBISHI ELECTRIC CORP
11 9 FURUKAWA ELECTRIC CO
12 8 FUJITS LTD
13 7 HITACHI CABLE KK
14 6 RIKAGAKU KENKYUSHO
15 5 FUJIKURA CABLE WORKS KK
Die Online-Statistik hat den Vorteil, daß sie einfach zu handhaben,
schnell zu erstellen und vergleichsweise preiswert ist. Die zu einem Thema
gefundenen Patentdokumente müssen nicht auf einen Mikrorechner übertragen
werden, was bei größeren Datenmegen teuer werden kann. Nachteilig
wirken sich bei Online-Statistiken dagegen die zeitlichen und thematischen
Begrenzungen aus. So kann zum Beispiel die dynamische Entwicklung innerhalb
eines Gebietes nur mit großem Aufwand durch die Aneinanderreihung
von einzelnen Zeitpunktanalysen abgebildet werden. Ein kritisches Nachfragen
und Vertiefen von Fragen, die durch die ersten Online-Statistiken aufgeworfen
werden, ist ebenso aufwendig, wie die Analyse von Querverbindungen zwischen
Patentschriften. Geeignet erscheinen die Host-Statistiken demnach für
einfache und schnelle Antworten zu wohldefinierten Fragestellungen und
zur Erstellung von groben Statistiken und Übersichten, nicht jedoch
für ein detailliertes, exploratives Vorgehen in einem technischen
Gebiet, dessen Strukturen und Dynamik meist nicht bekannt sind und ja gerade
mit Hilfe der Patentanalyse erhellt werden sollen.
Ein exploratives und iteratives Vorgehen ermöglichen dagegen Patentanalysen
auf dem eigenen Rechner, die ein breites Feld an individuellen Gestaltungsmöglichkeiten
eröffnen. Derzeit werden die speziellen Anforderungen an die Software
nur von maßgeschneiderten Programmpaketen erfüllt. Für
Mikrorechneranwendungen sind dies zum Beispiel die Softwaresysteme PATSTAT
(Patent Statistic) von Derwent und SYMPAT (Systematische
Patentanalyse),
ein vom Autor entwickeltes Analyseprogramm.
Die dialogorientierten Mikrocomputerprogramme setzen ebenso wie die
Online-Statistiken auf den Ergebnissen von Online-Patentrecherchen zu definierten
Untersuchungsobjekten auf. Für die anschließende statistische
Aufbereitung werden die Patentdaten im Down-Loading-Verfahren auf den Mikrorechner
übertragen und in ein für die Auswertungssoftware verständliches
Format gebracht. Zur Datenkonvertierung bietet SYMPAT Schnittstellen für
die Patentdatenbanken WPI/L (über die Hosts Orbit, Questel und Dialog),
INPADOC (STN), PATDPA (STN) und PATOS (BIS) an, während PATSTAT von
Derwent nur die eigenen WPI/L-Daten verarbeiten kann. Die auf den Rechner
geladenen Patentdaten werden auf Datenübertragungsfehler geprüft
und können vom Anwender editiert und ggf. um zusätzliche Informationen
ergänzt werden. Mit Bereitstellung der vorbereiteten Datenbasis setzt
die Arbeit der Analyseprogramme ein. Strategisch relevante Informationen
werden extrahiert, ABC-analytisch ausgewertet und in Form von Tabellen
und Graphiken bereitgestellt. Das standardisierte Auswertungsprofil von
SYMPAT ist in Bild 2 aufgezeigt.
Für vertiefende Analysen zu beliebigen Teilaspekten stehen entsprechende
Programmodule bereit, so daß der Anwender die Art und Tiefe der aufbereiteten
Informationen individuell festlegen kann. Hier gehen Mikrocomputerprogramme
zur Patentanalyse einen entscheidenden Schritt über die deskriptiven
Patentstatistiken hinaus: Dem Anwender stehen die recherchierten Daten
in vollem Umfang zur Durchführung beliebiger Detailanalysen zur Verfügung.
Gezielt geführte Dialoge liefern Antworten zu vertiefenden Fragen
über Technologiefelder, Unternehmen, Erfinder usw. bis hin zum Einzelpatent
oder den Querverbindungen zwischen den Clustern einzelner Schriften. Der
Anwender kann damit die statistisch ermittelten Ergebnisse interaktiv einer
kritischen Überprüfung unterziehen. Insbesondere gibt die Möglichkeit
der Identifikation der auslösenden und treibenden Kräfte von
Trends und neuen Entwicklungen Hilfestellung bei der Formulierung von Erklärungshypothesen,
die über rein deskriptive Aussagen wesentlich hinausgehen.

Bild 2: Standardisiertes Analyseprofil von SYMPAT
Der Ablauf Systematischer Patentanalysen auf der Basis von Mikrocomputerprogrammen
ist in Bild 3 veranschaulicht.

Bild 3: Ablauf der Systematischen Patentanalyse mit SYMPAT
4. Anwendungsbeispiele
Computergestützte Patentanalysen eröffnen differenzierte Einsichten
in die strukturelle Entwicklung von Technologien und der anmeldenden Institutionen.
Um einen Eindruck von der Anwendungsbreite zu vermitteln, sind nachfolgend
Auszüge aus durchgeführten Analyseprojekten zu den Themen Optoelektronik,
Optosensorik und Halbleiterspeicher beispielhaft wiedergegeben. Obwohl
die Ausführungen allgemein gehalten sind, dürfte das Potential
für spezifische und mehr ins Detail gehende Analysen erkennbar werden.
Die ausgewählten Teilanalysen decken sich weitgehend mit dem voreingestellten
Analyseprofil von SYMPAT (vgl. Bild 2).
Patentaktivitäten
Die Patentveröffentlichungen zu optischen Meß- und Prüfsensoren
liefern Hinweise auf die derzeitige Innovationsdynamik bei optoelektronischen
Bauelementen und Systemen (Bild 4).

Bild 4: Optosensorik: Entwicklung der Patentaktivität 1976-85
(Quelle: PATOS,WPI/L; Auswertung SYMPAT)
In den Jahren 1978 bis 1982 führte eine kräftige Zunahme der
im Deutschen Patentamt registrierten Erfinderaktivitäten etwa zu einer
Verdoppelung der veröffentlichten Schriften. Seit 1982 ist die Innovationsrate
allerdings rückläufig, was aber nur zum Teil auf Veränderungen
in den Meldepolitiken der Anmelder zugunsten des Europäischen Patentamtes
zurückzuführen ist. Rückgänge der Patentaktivitäten
sind typisch für die späte Entwicklungsphase von Technologien.
Die wesentlichen Fortschritte sind bereits erzielt, so daß bei abnehmender
FuE-Produktivität zunehmend die Verbesserungsinnovationen das Bild
bestimmen. Diese technische Saturierungsphase, in der wirkliche Neuerungen
eher die Ausnahme sind, dürfte im Bereich der Optosensorik bereits
erreicht sein: Eine Annahme, die auch von anderen Patentindikatoren gestützt
wird.
Meldemuster
Etwa jede dritte Patentanmeldung in der Optosensorik kommt aus dem Ausland.
Die Präsenz von Fremdländeransprüchen im eigenen Land liefert
Hinweise auf Beschränkungen des freien Zugangs zum Binnenmarkt für
Inländer. Eine hohe Auslandspräsenz in bestimmten Technologiebereichen
bedeutet aber nicht nur, daß sich die einheimische Industrie den
Binnenmarkt verstärkt über Lizenzen und Kooperationen öffnen
muß, vielmehr wird aufgrund geringer oder fehlender ökonomischer
Anreize auch die innovative Kraft eines Landes in diesen Bereichen erheblich
gedämpft. Ein Mangel an Betätigungsanreizen insbesondere bei
Schlüsseltechnologien kann sich für Unternehmen und ganze Volkswirtschaften
ausgesprochen negativ auswirken, wie dies das Beispiel der Halbleiterspeicher
für die Bundesrepublik belegt. Der Meldeanteil des Auslands beträgt
bei Halbleiterspeichern fast neunzig Prozent, wobei das Gros der Anmeldungen
auf Unternehmen aus Japan und die USA entfällt (Bild 5).

Bild 5: Halbleiterspeicher: Die 10 großen Anmelder (Quelle:
PATDPA; Auswertung SYMPAT)
Zwar kann die Outputleistung von Forschung und Entwicklung rein quantitativ
über die Anmeldungen erfaßt werden, doch läßt dies
keine direkten Rückschlüsse auf die Güte der Forschung und
die Reichweite von Patenten zu. Der qualitative Aspekt indes kommt unter
anderem mit dem Umfang der beantragten Schutzrechte zum Ausdruck. Da Auslandsanmeldungen
teuer sind, werden nur hochwertige und ökonomisch vielversprechende
Inventionen flächendeckend in einer Vielzahl von Ländern und
Wirtschaftsräumen angemeldet. Der dadurch gesicherte Handlungsspielraum
für künftige Geschäftsaktivitäten erstreckt sich von
möglichen Produktlieferungen über Lizenzvergaben bis hin zur
Behinderung von potentiellen Wettbewerbern im Geltungsbereich der Schutzrechte.
In der Anzahl der benannten Länder spiegelt sich demnach die Erwartungshaltung
der Anmelder in bezug auf eine spätere technisch-ökonomische
Verwertbarkeit von Innovationen wider. Parallelanmeldungen von Erfindungen
werden in verschiedenen Datenbanken (z.B. bei WPI/L) innerhalb von sogenannten
Patentfamilien erfaßt, woraus sich unmittelbar erste Anhaltspunkte
auf die Bedeutung der jeweiligen Prioritätsanmeldungen ergeben. In
der Optoelektronik vereinigen die in Bild 6 zusammengestellten Erstschriften
die meisten Fremdländeransprüche auf sich und geben damit entsprechende
wirtschaftliche Interessen der Anmelder und einen hohen Stellenwert der
Inventionen zu erkennen.

Bild 6: Optoelektronik: Meistgemeldete Patente - Basispatente
(Quelle: WPI/L; Auswertung SYMPAT)
Die Meldemuster von Patenten haben jedoch nicht nur einzelwirtschaftliche,
sondern auch gesamtwirtschaftliche Bedeutung, insofern sie das Wettbewerbspotential
und die Interessenslage deutscher Unternehmen im Zusammenhang mit ausländischen
Zielmärkten offenlegen. Eine breite Internationalisierung nationaler
Erfindungen bestätigt die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und
zeugt von einem gesunden Selbstbewußtsein der anmeldenden Unternehmen
im Zusammenhang mit der Durchsetzung ihrer Ansprüche auch außerhalb
der eigenen Grenzen. Auf der Grundlage von Auslandsanmeldungen wird ein
direkter Vergleich der technisch-ökonomischen Leistungsstärke
von Unternehmen und Volkswirtschaften möglich. Die sich durch die
vergleichsweise billigen Inlandsanmeldungen ergebenden Heimvorteile nationaler
Anmelder in den heimischen Patentämtern können damit neutralisiert
werden (Fendt 1983, Pavitt 1985). In diesem Zusammenhang kommt eine vom
Bundesminister für Forschung und Technologie in Auftrag gegebene amerikanische
Patentstudie (Narin, Olivastro 1987) zu dem ernüchternden Schluß,
daß deutsche Erfinder Besonderes nur noch in Bereichen der Fertigungs-
und Automobiltechnik, der Textiltechnik und in einzelnen Bereichen der
Mechanik zu bieten hätten, während in den Hochtechnologiegebieten
Elektronik, Kommunikations- und Computertechnik ein unübersehbarer
Mangel an deutschen Patentaktivitäten auf Auslandsmärkten herrsche.
Solche Bewertungen können mit Hilfe von Systematischen Patentanalysen
bis hin zu detaillierten Unternehmens- und Erfinderprofilen konkretisiert
werden (vgl. hierzu Patel, Pavitt 1988).
Anmelder und Erfinder
Einen ersten Einstieg in vertiefende Profile liefern Rangfolgen der
registrierten Unternehmen und Erfinder, wie sie in Bild 7 beispielhaft
für die 15 wichtigsten Patentanmelder im Bereich der Optosensorik
ausgegeben sind.

Bild 7: Optosensorik: Patententwicklung bei Anmeldern (Quelle:
PATOS,WPI/L; Auswertung SYMPAT)
Die aktivsten Anmelder im Bereich der Optosensorik waren zwischen 1976
und 1985 die Gruppe der freien Erfinder sowie klein- und mittelständischen
Unternehmer, die auf eine Firmennennung häufig verzichten. Ein mit
rund 10 Prozent relativ hoher Anteil an privaten Anmeldern (PRIVATE) deutet
einen geringen Komplexitätsgrad des Technologiefeldes sowie ein relativ
geringes FuE-Risiko an. Bei der komplexen und risikoreichen Technik der
Halbleiterspeicher liegt der Anteil privater Anmelder für den gleichen
Zeitraum unter einem Prozent; der Wettbewerb in dieser Technik wird von
großen Weltkonzernen bestimmt (vgl. Bild 5). Ein Einstieg in die
Optosensorik kann dagegen auch für klein- und mittelständische
Unternehmen durchaus interessant sein, zumal die dort anzutreffenden Wettbewerbsstrukturen
und Marktkonzentrationen auch für die nächsten Jahre keinen harten
Verdrängungswettbewerb erwarten lassen.
Anhand von Anmelder- und Erfinderlisten kann die dynamische Entwicklung
der Patentaktivitäten über den Analysezeitraum im einzelnen verfolgt
werden. Neueinsteiger und Aussteiger werden durch die Software ebenso automatisch
herausgefiltert, wie eine trendanalytische Bewertung von Wachstums- bzw.
Schrumpfungsprozessen durchgeführt wird. In Bild 8 sind die durchschnittlichen
Veränderungsraten der Patentaktivitäten von Anmeldern im Bereich
der Optosensorik aufgezeigt.
Angaben zur Wachstumscharakteristik werfen viele Fragen auf:
-
Warum gehen die Anmeldungen der Firma X zurück ?
-
Wie erklärt sich der steile Anstieg der Patentanmeldungen von Unternehmen
Y ?
-
Welche FuE-Richtung verfolgt der Neueinsteiger Z ?
-
......
-
Neueinsteiger mit hohen Wachstumsraten könnten wirklichen Neuerungen
auf der Spur sein. Als potentielle Wettbewerber oder mögliche Akquisitionskandidaten
sind solche Unternehmen nicht nur für Technologieführer von höchstem
Interesse. Neben den anmeldenden Organisationen verdienen auch die aktiven
Erfinder entsprechende Beachtung, wird doch in ihren Köpfen der technische
Wandel eingeleitet. So kann es eine überaus lohnende Aufgabe sein,
Erfinderpersönlichkeiten und ihre Aktivitäten innerhalb bestimmter
Technologiefelder laufend zu beobachten. Spitzenforscher beispielsweise
im Bereich der optischen Sensoren bringen es auf acht Patente innerhalb
von nur vier Jahren. Ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit setzt technische
Akzente und schreibt Entwicklungsrichtungen fest, die sich über die
entsprechende Patentliteratur inhaltlich konkretisieren lassen. Darüber
hinaus liefern Erfinderanalysen Einblicke in die Führungsstruktur
und Organisation von FuE-Abteilungen, die Zusammensetzung von Forscher-Teams
in personeller und zeitlicher Hinsicht und sie verdeutlichen die Politik
der Sicherung von technologischer Kompetenz und Marktführerschaft.

Bild 8: Optosensorik: Wachstumsraten von Anmeldern (Quelle:
PATOS,WPI/L; Auswertung SYMPAT)
Die Gesamtzahl der in einem Bereich tätigen Anmelder und Erfinder
kann als weiterer Früherkennungsindikator gewertet werden. Bei einer
wachsenden Anzahl von Anmeldern und Erfindern sowie einer erhöhten
Patentaktivität innerhalb eines Technologiefeldes liegt die Vermutung
nahe, daß (a) völlig neue Problemlösungen aufgetreten sind
und/oder (b) dem erforderlichen FuE-Aufwand entsprechende finanzielle Anreize
und Chancen gegenüberstehen. Dies können erste Hinweise auf einen
technologischen Schub (Technology Push) oder eine die technische Entwicklung
befruchtende Erwartungshaltung und Aufnahmebereitschaft des Marktes sein
(Market Pull). Für die in diesen Technologiefeldern tätigen Firmen
kann es zur Existenzfrage werden, ob und zu welchem Zeitpunkt sie derartige
Aufbruchsstimmungen erkennen und mittragen.
Im Rahmen einer Analyse der Aktivitätsprofile von Spitzenforschern
und/oder anerkannt innovativer Unternehmen können technische Veränderungen
und Trends früh erkannt werden. Das Interesse gilt dabei in erster
Linie den Personen und Unternehmen, die als Initiatoren von Paradigmenwechseln
innerhalb technologischer Bereiche gelten. Nach der Diffusionstheorie geht
von diesen frühen Innovatoren eine Ansteckungswirkung aus, die sich
epidemisch auf eine immer größer werdende Zahl von Adaptoren
der neuen Ideen und Denkansätze ausbreitet und damit die Grundlage
für eine weite Verbreitung liefert. Sind solche Trendsetter erst einmal
identifiziert, können ihre wissenschaftlichen Aktivitäten einer
kontinuierlichen Beobachtung unterzogen werden. Das Beobachtungsspektrum
ist dann allerdings um Veröffentlichungen, Vorträge und sonstige,
über die Patentliteratur hinausgehende Aktivitäten zu erweitern.
Patentklassen
Die thematische Eingliederung von Patentanmeldungen erfolgt anhand des
international vereinbarten Ordnungssystems der Internationalen Patentklassifikation
(IPC) mit annähernd 60.000 Gliederungseinheiten. Nach dem Grad der
technischen Vielfalt einer zum Patent angemeldeten Erfindung und dem Umfang
der geltend gemachten Ansprüche ist die Angabe von bis zu 40 verschiedenen
IPC-Symbolen möglich. Damit eignen sich die registrierten IPC-Klassen
zur Bewertung der Komplexität von Erfindungen und ganzer Technologiebereiche
und geben darüber hinaus Aufschluß über die Anwendungsschwerpunkte
von Entwicklungen. Am Beispiel der Optosensorik zeigt Bild 9 das Ergebnis
einer entsprechenden Auswertung.

Bild 9: Optosensorik: Anwendungsschwerpunkte 1976-85 (Quelle:
PATOS,WPI/L; Auswertung SYMPAT)
Ein Großteil der im deutschen Patentamt angemeldeten Erfindungen
von optischen Sensoren beschäftigt sich mit Problemstellungen im Bereich
der chemischen und physikalischen Analytik, der Längen, Flächen
und Winkelmessung, dem Peilen und Orten sowie der Lichtmeßtechnik.
Eine kontinuierliche Beobachtung der Inventionsaktivitäten innerhalb
definierter Technologiefelder ist für Unternehmen insbesondere unter
dem Aspekt der zeitlichen Veränderungen interessant. Technische Wachstumsfelder
können so relativ früh identifiziert und ihre Querverbindungen
zu Nachbardisziplinen aufgedeckt werden. Eine systematische Suche nach
noch völlig unbekannten Technologiefeldern, deren Keimzellen quasi
im Verborgenen innerhalb verschiedener Sachgebiete liegen, wäre die
konsequente Fortführung dieser Analyseaufgabe. Die wechselseitige
Befruchtung etablierter Technologiebereiche bildet häufig den Anstoß
für das Aufkommen völlig neuer Entwicklungslinien. Faust (1987)
spürt solche Wachstumsfelder mit Hilfe der Cluster-Analyse auf, indem
er für wachstumsstarke Technologiefelder anhand der registrierten
Patentklassen sachgebietsübergreifende Vereinigungsmengen bildet.
Damit wird sichergestellt, daß junge zukunftsträchtige Gebiete,
die sich häufig zwischen den etablierten Feldern entwickeln, nicht
mangels Masse in jeweils isolierten Einzelbewertungen unter den Tisch fallen.
Neben der Unterstützung einer systematischen Suche nach neuen Technologien
bietet eine laufende Beobachtung und Analyse abgegrenzter Technologiefelder
Schutz vor Übergriffen aus Technologiebereichen, die bisher als nicht
relevant erachtet wurden. So schlug sich die Diffusion der Elektronik in
die verschiedensten Anwendungsbereiche in den Patentklassifikationen schon
sehr früh nieder. Ein entsprechender Früherkennungsindikator
hätte vielen Unternehmen rechtzeitig Anlaß zu verstärkter
Aufmerksamkeit geben können. Inwieweit die Auswertung von Patentklassen
im Rahmen von Wettbewerberanalysen herangezogen werden können, zeigen
Mullen et al. (1984) am Beispiel des schweizer Pharmakonzerns Hoffmann-La
Roche. Auf der Grundlage der bei WPI/L (Derwent) abgelegten Manual Codes
- einer qualitativ über die IPC-Symbole hinausgehenden Patentklassifikation
- identifizierten die Mitarbeiter der Bayer AG die Indikationsgebiete des
Wettbewerbers und deren Forschungsrelevanz (Bild 10).

Bild 10: FuE-Schwerpunkte von Hoffmann-La Roche 1977-82 (Quelle:
Mullen et al. 1984)
Die Autoren führen weiter aus, daß eine dynamische Analyse
der Manual Codes die frühzeitige Exploration von Trends, neuer Forschungsbereiche
sowie eventueller Diversifikationsabsichten unterstützt.
Cross-Referenz-Analysen
Einen weiteren Analyseaspekt eröffnen die zur Beurteilung der Patentfähigkeit
von Erfindungen herangezogen öffentlichen Druckschriften. Der amtlich
ermittelte Prüfstoff dokumentiert den Stand der Technik im unmittelbaren
Umfeld der jeweiligen Anmeldungen. Diese im Rahmen der Patentprüfung
ermittelten Entgegenhaltungen und Verweise auf andere Patente und Nicht-Patentliteratur
werden veröffentlicht und sind in einigen Patentdatenbanken recherchierbar.
Die zitierten Fremddokumente geben Aufschluß über das Alter
der Patentbasis und liefern Hinweise auf die Innovationsdynamik innerhalb
der untersuchten Technologiefelder. Mit diesem Phänomen hat sich die
Innovationsforschung auf Basis der Alterstruktur von Literaturzitaten schon
Anfang der 70er Jahre beschäftigt (vgl. Solla Price 1970).

Bild 11: Cross-Referenz-Diagramm: Optoelektronik (Quelle:
WPI/L; Auswertung SYMPAT)
Für die Technik der Optoelektronik ist die Altersstruktur der zitierten
Patentbasis in Bild 11 visualisiert. Die dort erfaßten Cross-Referenz-Relationen
sind typisch für eine sich rasch entwickelnde Technik, die Anfang
der 80er Jahre durch einen kräftigen Innovationsschub neue Entwicklungsimpulse
erhielt. Damals kam es bei Neuanmeldungen zu einer Häufung von Verweisen
auf Patentschriften im Alter von nur ein bis drei Jahren. Zitieren Patentschriften
eine relativ junge Patentbasis, so wird die damit erfaßte Entwicklung
meist von einer grundlegenden Veränderung der technischen Lösungsprinzipien
getragen.Das Alter der zitierten Patentbasis läßt ebenso Rückschlüsse
auf den Reifegrad von Techniken zu, wie die in SYMPAT standardmäßig
ermittelten Konzentrationsmaße für Anmelder und Erfinder sowie
die registrierten Patentaktivitäten. Auf der Grundlage dieser Indikatoren
kann eine Charakterisierung von Technologien nach dem Stand im Lebenszyklus
erfolgen (Bild 12).
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Patentindikatoren
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Phase im Patent-Lebenszyklus
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Patentaktivität
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Basis
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Konzentration
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Entstehung
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zunehmend
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jung
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niedrig
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Wachstum
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hoch
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mittel
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zunehmend
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Reife
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abnehmend
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alt
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hoch, zunehmend
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Alter
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niedrig
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alt
|
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hoch
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Bild 12: Charakterisierung des Entwicklungsstandes von Technologien
Der Reifungs- bzw. Alterungsprozeß von Technologien geht mit der
Ausschöpfung des Leistungspotentials einher. Mit zunehmendem Alter
und technischer Reife kommt es zudem zu Veränderungen der FuE-Produktivität,
des technischen Risikos, der Anwendungsbreite und der wettbewerbsbestimmenden
Eintrittsbarrieren (vgl. u.a. Servatius 1985).
Zitationen können nicht nur als Indiz für die Innovations-
und Veränderungsdynamik innerhalb von Technologiefeldern herangezogen
werden, sondern auch für eine systematische Analyse der Verflechtungen
von Forschung und Entwicklung. Im Rahmen von Cross-Referenz-Analysen werden
die Beziehungsmuster zwischen Anmeldern aufgedeckt, so daß über
den Anteil von Fremd- und Eigenzitaten unmittelbar auf die relativen Stärken
der jeweiligen Patentpositionen und die verfolgten FuE-Strategien von Unternehmen
und Ländern geschlossen werden kann. Als Basispatente von hoher technischer
und ökonomischer Bedeutung gelten dabei Schriften, die einer Vielzahl
anderer Patentanmeldungen im Rahmen der Patentprüfung entgegengehalten
werden (hierzu Carpenter et al. 1981). Vielzitierte Patente begründen
häufig technisch-ökonomische Domänen, die durch eine Reihe
flankierender Defensivpatente abgesichert sind. Defensives, auf die Erhaltung
von technischen und wettbewerblichen Vorteilen bedachtes Verhalten spiegelt
sich in einem hohen Anteil an Zitaten wider, die auf Schriften ein und
desselben Anmelders verweisen (Eigenzitate). Ein Eindringen in diese Patentfestungen
kann Wettbewerbern nur mit einer offensiven Forschungs- und Patentpolitik
gelingen, die direkt an den Fremdansprüchen ansetzt oder sie umgeht.
Die Kenntnis der Relation von Eigen- zu Fremdzitaten trägt zur Objektivierung
einer qualitativen Bewertung von Patenten bei, zumal ein hoher Anteil von
Eigenzitaten einen entsprechend hohen Stellenwert der Erfindung zunächst
nur für den Anmelder unterstreicht.
So ist die Patentpolitik japanischer Unternehmen in vielen Bereichen
durch ein extrem defensives Verhalten gekennzeichnet, was sich in einem
Netzwerk gegenseitiger Querverweise mit hohen Zitationsraten für einzelne
Schriften manifestiert. Diese hohen Zitationsraten als Qualitätskriterium
für japanische Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zu interpretieren,
wäre sicher voreilig, nicht aber ungewöhnlich, wie die oben genannte
US-Patentstudie (Narin, Olivastro 1987) sowie die daraus abgeleiteten Schlußfolgerungen
des BMFT belegen. Defensive und offensive Patentstrategien einschließlich
der inhaltlich verfolgten Stoßrichtungen werden durch Zitationsanalysen
transparent, sofern diese nach zitierender und zitierter Institution differenzieren.
In Bild 13 ist ein Auszug aus dem mit SYMPAT analysierten Netzwerk zitierter
und zitierender Patentschriften zu dynamischen Halbleiterspeichern wiedergegeben.

Bild 13: Cross-Referenz-Struktur: Wer zitiert wen? (Quelle:
PATDPA; Auswertung SYMPAT)
Den darin aufgeführten Dokumenten der Firmen Hitachi, Mitsubishi
und NEC wurden bei der Patentprüfung Schriften der Siemens AG entgegengehalten.
Am unteren Bildrand sind noch drei Eigenzitate von Siemens aufgeführt.
Solche Verflechtungstabellen oder -matrizen unterstützen Reflexionen
über die von Anmeldern verfolgten Patent- und Forschungsstrategien.
5. Fazit
Die Auswahl praktischer Anwendungsbeispiele zeigt, wie universell Systematische
Patentanalysen zur Fundierung von Technologiestrategien eingesetzt werden
können. In der praktischen Arbeit mit dieser Methode hat sich gezeigt,
daß zunächst mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden.
Diese Erfahrungen könnten Zweifel am Nutzen von Patentanalysen nähren.
Doch diese Zweifel sind schnell zerstreut, wenn diese Art von Analysen
in erster Linie als Fragengeneratoren zu technischen Problemkomplexen verstanden
und für diesen Zweck gezielt eingesetzt werden. Systematisch aufgewirbelte
Fragen erzeugen dann ein Potential für Antworten, die nicht bereits
beim ersten Problemkontakt auf der Hand liegen. Eine in Verlauf des kritischen
Dialogs zunehmende Fragenqualität hebt auch die von Experten zu liefernden
Antworten auf ein höheres Niveau. So gewinnt auch der Fachmann Einsichten
in Themenkreise, die ihm aufgrund und in ihrer Komplexität und Tragweite
bisher vielleicht verschlossen blieben. In der Notwendigkeit "kreativ fragen
zu können, denn die Spezialisten schmoren oft im eigenen Saft" sieht
denn auch Hartmut Fetzer, der FuE-Chef der Nixdorf Computer AG, eine wichtige
Voraussetzung für die Übernahme einer aktiven und führenden
Rolle im technologischen Wettbewerb. Insbesondere ebnet aber auch die gezielt
herbeigeführte Auseinandersetzung mit heterogenen Sichtweisen, vertreten
etwa durch die Unternehmensführung, die Strategischen Planer, das
Forschungs- und Entwicklungsmanagement oder anderen für die Unternehmensentwicklung
verantwortlichen Instanzen, den Weg zu neuen Erkenntnissen und einem umfassenden
Problemverständnis. In der Unterstützung dieser interdisziplinären
Diskussionen im Sinne einer dialektischen Entwicklung von ausgewogenen
und konsensfähigen Unternehmenspolitiken ist deshalb der wesentliche
Nutzen von Strategischen Patentanalysen zu sehen. Ihr Wert als bloßes
Werkzeug der Unternehmensplanung wird dagegen eher zweitrangig bleiben.
Positive Erfahrungen mit Systematischen Patentanalysen können jedoch
nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Gros der Unternehmen
eher ein Defizit an relevanter Information beklagt. Befremden löst
in diesem Zusammenhang die nur zögernde Bereitschaft zur Online-Nutzung
von Datenbanken aus. Mit dem Ausbau der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur
wird jedoch die Attraktivität elektronisch recherchierbarer Informationen
in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Damit werden Patent-Onlinerecherchen
und Patentanalysen verstärkt auch in klein- und mittelständischen
Unternehmen zum Einsatz kommen.
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